Felder der Osteopathie

Die Parietale Osteopathie ist jener Bereich, in dem A. Still, der Begründer der Osteopathie beobachtend vor etwa 150 Jahren zu dem Ergebnis kam, dass da wo Krankheit, die Bewegung eingeschränkt ist, und da wo Bewegung ist Krankheit sich schwerer ansiedeln kann. Folglich versuchte er offensichtliche Bewegungseinschränkungen durch ein genaues Trennen und Bearbeiten von Funktionalem und Afunktionalem zu bestimmen - zuerst dort, wo man es am ehesten sieht: Im Bewegungs- und Stützapparat. Später auch in anderen Bereichen.

Chiropraktik und Manuelle Therapien sind auch in diesem Feld unterwegs - allerdings gehen sie in vielem anders vor.

Die Myofasciale Osteopathie ergab sich unmittelbar aus der ersten: Wenn nicht die Gelenke an sich das Problem waren, dann die Bänder (Fascien) und Muskeln, die die Gelenkfunktionen von der Bewegungsseite her ermöglichen. Dieser 2. Schritt hängt auch unmittelbar mit der Anatomie zusammen: Während eine Dysfunktion im Fuß zumeist gelenkseitig begründet ist (der Gelenkschluss ist hier sehr hoch), finden Schulter- und Nacken-Schmerzen überwiegend in myo-fascialen Spannungen ihren Ausgangspunkt. 

Die fasciale Osteopathie hat in den letzten Jahren - auch auf der Basis immer genauerer Untersuchungen des menschlichen Körpers - einen deutlichen Aufschwung genommen. War es bis vor ein paar Jahren noch üblich, die Wirksamkeit eines Muskels weitgehend auf den Bereich zwischen Ursprung und Ansatz einzuschränken so zeigt sich heute, dass u.a. die fascialen Bindungen und  Verknüpfungen viel weiter reichen.

60 Jahre nach den Anfängen der Osteopathie stieß W.G. Sutherland - damals etwa genauso alt wie die Osteopathie - auf die Bewegung der Knochen des Schädels ('Und sie bewegen sich doch'), eine Bewegung die nicht mit der Atmung oder dem Herzschlag synchron ist. Ähnliche und damit verknüpfte Bewegungen konnte er dann am Sacrum finden. Kopf und Sacrum sind über die Dura mater, einer sehr festen HIrnhaut, miteinander verbunden - die Geburtsstunde der Cranio-Sacralen Osteopathie.

Nachdem nun Bewegung zwischen den Knochen und in den Muskeln und Fascien einschließlich denen des Kopfes gefunden worden waren, lag es auf  der osteopathischen Hand ähnliche Entdeckungen im Bauch und Brustkorb zu machen: Die Viscerale Osteopathie ward geboren, ihr wohl wichtigster Mitbegründer: J.-P. Barral. Danach gibt es sehr verschiedene Bewegungen, die alle von den Organen des Bauches und Brustkorbs mitgemacht werden müssen: Die Bewegung des Körpers überhaupt, die anderer Organe (v.a. die der Lunge bei der Atmung) sowie Eigenbewegungen der Organe.

Also - könnte man denken - hat man für die meisten Organe und Körperteile eine Methode der Behandlung gefunden, Kopfschmerzen würden cranial, und Bauchschmerzen visceral behandelt. Aber so einfach ist das nicht. Nach Lage der Dinge bleiben Dysfunktionen häufig nicht in dem Feld ihrer Entstehung, sie wandern, dehnen sich aus und transformieren sich, treten also an ganz anderem Ort in anderer Gestalt wieder auf. So kann ein Diabetes zu allgemeiner Schwäche, Neuropathien oder Herz-Kreislauferkrankungen führen. Wenn sich also Missempfindungan in den Beinen einstellen, reicht es nicht diese zu behandeln - auch wenn man das noch so gut könnte. Die Therapie muss soweit wie möglich zum Ausgangspunkt des Geschehens zurückgehen.

Das kann sie besser, wenn sie solche Ausgangspunkte bestimmen und dann behandeln kann - um in unserem Beispiel zu bleiben: Die Missempfindungen in den Beinen könnten zwar symptomatisch behandelt werden, die Behandlung würde aber viscerale, craniale und schulmedizinische Abklärungen und Einstellungen ebenso einschließen wie eine mögliche Ernährungsberatung.