Geschichte(n) und Gestalten der Akupunktur

Die Japanische Akupunktur

ist aus der Chinesischen vor etwa 1.400 Jahren hervorgegangen. Ein chinesischer Mönch soll 562 in Japan mit über 160 Bänden medizinischer Literatur nach Japan ausgewandert sein; die Akupunktur fand schnell Zuspruch. Bereits etwa 150 Jahre später gab es das erste Gesetzeswerk, in dem namentlich Akupunktur und Moxibustion reguliert wurden.

Im 17. Jahrhundert erfand der blinde japanische Therapeut Sugijama das Führungsröhrchen,  eine kleine Sache, die offenbar große Veränderungen nach sich zog:

- Die Nadeln wurden dünner, weniger schmerzhaft,

- Blinde konnten den Beruf der Akupunktur ergreifen, wodurch der Anteil der blinden Therapeuten rasant anwuchs und seither einen beträchtlichen Teil ausmacht,

- DIe verfeinerte Nadelungstechnik, der veränderte Umgang mit dem Nadeln und damit mit den Patienten führten zweifellos zu einer Sensibilisierung von Therpeuten und Patienten.

Und noch etwas änderte sich: Der Umgang mit der Literatur wurde pragmatischer. Die Theorie und ihre Vermittlung verloren gegenüber der Technik des Nadelns, der Punktlokalisation und der palpierenden Diagnose an Wert. Eine klinische Empirie begann sich zu etablieren.

 

Eine Entwicklung, die in vielem konträr zu der in China verlief, wo mit der Neu-Entwicklung der Traditionellen Chinesischen Medizin in der Mao-Zeit die Praxis des tastend wahrnehmenden Befundens an Wert verlor - gegenüber einer zusätzlich vereinfachten Theorie. Das war vielen Zusammenhängen - auch ideologischen - vor allem aber dem Versuch geschuldet, eine sehr vielfältige und uneinheitliche traditionelle Medizin zu einem - von dringend benötigten Ärzten - leicht zu erlernendem Kanon zu vereinen: Die Geburtsstunde der "Traditionellen Chinesischen Medizin" (TCM), die  zwei Jahrzehnte später mit dem Ende der politischen Eiszeit zwischen den USA und der Volksrepublik China in dieser vereinfacht systematisierten Form ihren Siegeszug in den Westen antrat - auch als einer der ersten Exportschlager des bis dahin verschlossenen Landes. Die Japanische Akupunktur wurde von einzelnen Therapeuten - immigrierenden Japanern und Japanerinnen und westlichen Forschungsreisenden - fast 20 Jahre später aus Japan herausgetragen.

 

Hier im Westen nahm die Fernöstliche Medizin und mit ihr die Akupunktur neue Gestalten an. In einigen Ländern etablierte sie sich zu einer z.T. eigenständigen Medizin (USA, GB), in Deutschland wurde sie sowohl von der Ärzteschaft als auch von den Heilpraktikern aufgegriffen und teilweise als Ergänzungsmedizin (zusätzlicher Ansatz beispielsweise der Schmerztherapie) oder mehr eigenständige Medizin verstanden und genutzt. Während sie in China immer auch eine preiswerte Behandlung für ärmere und arme Menschen darstellte und darstellt, wurde sie im Westen auch zu einer alternativen Medizin, in dem Sinne, dass in ihr u.a. ein Symbol der Individuierung einer wohlhabenderen Schicht gegenüber einem als vereinheitlichend empfundenen Anspruch der Westlichen Medizin gesehen wurde. Die Stellung der Akupunktur in der westlichen Medizinwelt darauf festzulegen, wäre allerdings nicht nur vereinfacht, sondern falsch. In vielem stellt die Akupunktur heute, dadurch dass sie einen anderen Zugang zur Pathogenese (also zum Krankheitsverständnis) und zur Therapie hat, eine alternative und komplementäre Medizin dar.

Die Stellung der Akupunktur in unserer Gesellschaft wird aber nach wie vor diskutiert. Ihre Funktionsmechanismen und Wirkungszusammenhänge lassen sich bis heute nicht schlüssig darstellen. Ein Grund dafür mag darin bestehen, dass die meisten Versuche einer Begründung der Akupunktur letztlich reduktionistischer Art sind, d.h. sie versuchen über einzelwissenschaftliche Modelle (z.b. das bio-chemische, wonach der Körper als Reaktion auf das Nadeln Endorphine ausschüttet, oder traditionelle Theorieansätze, wonach es eine Lebensenergie Qi gebe...) ein komplexes Verfahren zu erfassen. Das Verfahren widersetzt sich dem bislang erfolgreich. 

 

(Quellen:  Stephen Birch, Junko Ida (1998): Japanese Acupuncture. A Clinical Study. Brooklin, Mass.

Naturmed:  https://www.naturmed.de/blog/tcm-akupunktur/japanische-akupunktur-2/)